Sonstiges

Zeitschrift des Vorarlberger Familienverbandes 2012

PRIM oder die Schule der Vorarlberger Zukunft

Wer wir sind
Die Plattform für Reformpädagogische Initiativen & Mehr in Vorarlberg wurde vor ca. einem Jahr ins Leben gerufen. Über 49 private und öffentliche Bildungseinrichtungen finden sich unter dem Dach dieser Plattform, ebenso Elterninitiativen und LehrerInnen. Wir alle setzen uns ein für moderne, menschengerechte Unterrichtsmethoden in der Schule. Bei Vernetzungstreffen und gemeinsamen Aktionen unterstützen wir uns gegenseitig, teilen Know-how und drehen gemeinsam am überaus schwerfälligen Mühlrad der Vorarlberger Bildungspolitik – wir wollen mit der Qualität unserer Schulen endlich in der Neuzeit ankommen.

Was wollen so viele Eltern, LehrerInnen und Interessierte?
Wir brauchen eine neue Fehlerkultur. Nur wer Fehler machen darf, kann aus seinen Fehlern lernen. Wir brauchen Schulen, die Zugehörigkeit signalisieren und Aufgaben für die Kinder bieten, an denen sie wachsen und ihre Potentiale entfalten können. (Gerald Hüther)

Es gibt inzwischen zahlreiche, namhafte Wissenschaftler, Neurologen und Soziologen, die mit deutlichen Worten an die Öffentlichkeit treten. Ihre Botschaft: das Gehirn lernt, wenn der Mensch Freude empfindet und er in seinen Interessen gefördert wird. Es ist nicht schwer, in den Schulen ein Umfeld zu schaffen, das die Freude am Lernen unterstützt, erfolgreiche Beispiele dafür gibt es viele. Kontraproduktiv sind Leistungsdruck, permanenter Frontalunterricht, der die Schüler_innen zu Konsumenten erzieht und eine zu frühe Selektion der Kinder.

Lernen muss als positive Anstrengung empfunden werden. Starker Stress hingegen, verbunden mit Versagensangst und Bedrohtheitsgefühl gegenüber dem Lehrenden, führt zu starker Hemmung des Lernerfolgs. (Gerhard Roth)

Was wir wollen: Eine neue Fehlerkultur, Kompetenzraster statt Noten, Inklusion, ein neues Verständnis der PädagogInnen als BegleiterInnen in einem individuellen Lernprozess, gemeinsame Schule der 6 bis 15jährigen, hohe Eigenverantwortung für die SchülerInnen und Sozialkompetenz als Lernfach – und dazu alles andere, was zu einer förderlichen Umgebung an den Schulen beiträgt.

Wenn man konsequent individualisiert, machen Noten keinen Sinn mehr. Sie sollten durch Kompetenzraster ersetzt werden. (Remo Largo)

Wie kommen wir dorthin?
Beim Thema Bildung beobachten wir seit vielen Jahren einen Stillstand, der nur dadurch zu erklären ist, dass gerade dieses Thema ständig in Parteipolitik verheddert wird. Dabei kommen die Kinder und ihre Eltern zu kurz, und am Ende dieser Straße kommt alles zu kurz: der Wirtschaftsstandort Österreich, die Gesellschaft, die sich eine derartige Ressourcenverschwendung nicht leisten kann, die Lebensqualität aller. Eine Abkürzung aus dem Dilemma gäbe es, und sie wäre in einer Demokratie eigentlich selbstverständlich: die Einführung eines Bildungsschecks, die Auflösung der Sprengel. Mit diesen Maßnahmen müssten engagierte Eltern nicht auf Privatschulen ausweichen und diese ums Überleben kämpfen, die Steuergelder würden endlich sinnvoll investiert, die Eltern hätten eine echte Wahl und könnten so ihrer Aufgabe als verantwortungsbewusste Eltern nachkommen, nämlich ihre Kinder in die ihrer Meinung nach beste Institution zu schicken, und die Kinder kämen in die für sie passende Schule. Wenn eine öffentliche Schule in ihrer Gegend ein gutes Umfeld anbietet – umso besser. Wenn nicht: Privatschulen setzen oft Dinge in Bewegung, die zuvor stillstehen.

Ja, das will ich auch – was kann ich tun?
Bitte informieren Sie sich auf unserer hompage – schließen Sie sich uns an, schreiben Sie uns. Am 4. Mai planen wir wieder einen Event, der sich sehen lassen kann. Es ist wichtig, zu zeigen, dass viele Menschen an einem modernen Bildungssystem Interesse haben.
Infos demnächst unter: http://www.prim-online.at

Kontakt:
Birgit Walch
Landeselternbüro, Steinebach 18, Dornbirn
Mail: office(at)levv(dot)at
Tel: 05572 206767

„Die entscheidende Frage richtet sich aber nicht an die Hirnforscher, sondern an uns alle, die Eltern und die unterschiedlichen professionellen Erzieher und Erzieherinnen, die gegenwärtig oder in Zukunft Kinder auf ihrem Weg ins Leben begleiten: Sind wir die, bei denen man lieben, streiten, arbeiten, genießen, denken, fühlen, singen und Vertrauen zu sich und zu einer lebenswerten Zukunft lernen kann? (Gerald Hüther)

Fußnote:
Dr. Remo Largo ist Professor für Kinderheilkunde und Entwicklungspädiatrie. Prof. Dr. Gerald Hüther ist Hirnforscher und leitet die Zentralstelle für Neurobiologische Präventionsforschung der Universitäten Göttingen und Mannheim. Dr. Dr. Gerhard Roth ist Hirnforscher und Professor für Verhaltensphysiologie, Präsident der Studienstiftung des deutschen Volkes.